Galionsfigur der Frauenbewegung liest aus ihrem Buch
Wuppertal [ENA] Samstag 17. Dezember 2011 - Alice Schwarzer, eine der bekanntesten Frauenrechtlerinnen Deutschlands liest erst aus ihrem Buch und spricht dann als Gast bei Alfred Biolek, der sie zur zweiten Ausgabe von "BIOgramm" in den Barmer Bahnhof eingeladen hatte.
Am Dienstagabend (13.12.2011) gönnte sich die nicht umstrittene Feministin, Journalistin und Buchautorin im voll besetzten Wuppertaler "Barmer Bahnhof" erst einmal entspannte Ruhe zu einer Lesung aus ihrer Autobiographie „Lebenslauf“, die dieses Jahr erschienen ist und spricht - "Was hat mich geprägt?" und: "Was habe ich daraus gemacht?". Schwarzer gibt Einblicke in ein Leben, das früh von Brüchen und Randständigkeiten gezeichnet ist. "Man glaubt zu wissen, wer ich bin". Sie musste von jeher viel Kritik einstecken – sowohl an ihrer politischen Einstellung als auch an ihrer Person.
Doch wie ist Alice Schwarzer tatsächlich die geworden, die sie heute ist? Zum ersten Mal geht die 68-Jährige auf die autobiografische Suche, die sie schlicht "Lebenslauf" nennt. Es ist eine ungeschminkte und ehrliche Suche. Die Herausgeberin der Zeitschrift "Emma" und Vorkämpferin der Emanzipation erzählt unterhaltsam von ihrer Kindheit in Wuppertal; als Stadtkind im Dorf; als unehelich Geborene; als Spross einer bürgerlichen Familie; vom schwierigen Verhältnis zur Mutter, die das Leben weitestgehend ohne ihre Tochter verbrachte. Schwarzer berichtet einfühlsam von ihrem Großvater mit seiner "bezaubernd altmodischen Liebenswürdigkeit", der sonntags in der Küche stand und Kuchen backte.
Nach einer "chaotischen Schulzeit" in Wuppertal mit "nur" Handelsschulabschluss, wie sie es selbst nennt, und einer kaufmännischen Lehre ging sie mit 21 Jahren zum Sprachstudium nach Paris. Im Alter von 23 Jahren volontierte sie bei den "Düsseldorfer Nachrichten" und wurde Reporterin bei dem Satiremagazin "Pardon". 1969 ging die junge Journalistin zurück nach Paris, diesmal als freie Korrespondentin für Radio, TV und Printmedien. Gleichzeitig studierte sie Psychologie und Soziologie an der Pariser Fakultät Vincennes. Begegnungen mit dem Philosoph Jean-Paul Sartre und Simone de Beauvoir hatten sicher prägenden Einfluss auf die kämpferische Frau, die sich immer für die Rechte der Frau starkgemacht hat.
Unbekannte Einblicke in das Leben der Alice Schwarzer
1977 gründete sie "Emma", eine politische Zeitschrift für Frauen. Zuletzt wurde viel über Schwarzers nicht unumstrittenes Engagement für die "Bild"-Zeitung im Kachelmann-Prozess berichtet. Die Kritik an ihr habe groteske Züge angenommen, meint die Journalistin. Tatsächlich hat die Rolle Schwarzer viel Renommee gekostet. Über den Fall Kachelmann plant sie ein Buch. Außerdem outet sich die Journalistin als jemand, der Männer und Frauen liebt. Nach zwei Jahren mit Ursula folgt ihre zweite lange Liebesbeziehung: "Mit einer Frau. Mit ihr lebe ich bis heute weitgehend mein Beziehungsideal (...). Dies sind bisher unbekannte Einblicke in das Leben der Alice Schwarzer.
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Darüber und über noch viel mehr las und berichtete Alice Schwarzer im Bioleks neuen Format "BIOgramm", eine neue Veranstaltungsreihe (www.der-barmer-bahnhof.de), die alle zwei Monate einen anderen Gast mit Wuppertal-Bezug zu sich in den Barmer Bahnhof einlädt. Im Anschluss plauderte sie mit ihrem langjährigen Freund und Kollegen Alfred Biolek (77). Was blieb war der nachhaltige Eindruck, an diesem Abend mit Lesung und Talk eine bedeutende Frau des Zeitgeschehens von einer sehr persönlichen Seite erlebt zu haben. Im Gespräch mit Biolek, dem Urgestein des Showgeschäfts, wurde zugleich Schwarzers amüsante Seite offenbar, aber auch ihre ungebrochene Liebe zu ihrer Heimatstadt Wuppertal.




















































