Reich-Ranicki wurde mit Ludwig-Börne-Medaille geehrt
"Ich bin ein Außenseiter" Er habe das getan, was ihm im Leben Spaß gemacht habe, nämlich die Literatur einem breiten Publikum nahezubringen, sagte der Literaturpapst in seiner Dankesrede. Zudem bezeichnete sich Reich-Ranicki als Außenseiter, schon in der Schule hätten ihn die Mitschüler belächelt, weil er freiwillig „das Zeug von dem Schiller“ gelesen habe. Gegen Ende seiner Karriere seien dann die Preise gekommen und die Auszeichnungen - je mehr es geworden seien - umso deutlicher sei für ihn gewesen: „Ich bin ein Außenseiter.“ Aber es habe ihm immer Spaß gemacht, sagte der 90-jährige unter dem Beifall vieler prominenter Besucher.
Gottschalk: "Ein Mahner und Lehrer" TV-Moderator Thomas Gottschalk, der im Herbst 2008 die legendäre Fernsehpreis-Gala in Köln moderierte und dem schimpfenden Reich-Ranicki spontan anbot, mit ihm öffentlich über die Qualität des Fernsehens zu diskutieren, lobte als Laudator den Literaturkritiker als „begnadeten Entertainer“. „Nein, als Außenseiter nimmt Dich die große Mehrheit der Deutschen sicher nicht wahr, eher als Mahner“,
Es hat ihm Spaß gemacht und Harald Schmidt singt (Frankfurt/Main, 7 Juni 201) Der Literaturkritiker Marcel Reich-Ranicki ist am Sonntag vier Tage nach seinem 90. Geburtstag mit der Ludwig-Börne-Medaille für sein Lebenswerk ausgezeichnet worden. Und zu seinen Ehren strömten Hunderte seiner Bewunderer aus Kultur, Politik und Unterhaltung in der Frankfurter Paulskirche zusammen, Ebenso war ein illustre Runde an diesem Tag in der Frankfurter Paulskirche zusammengekommen: der Herausgeber der "Frankfurter Allgemeinen Zeitung", Frank Schirrmacher, der Publizist Hendrik M. Broder sowie die TV- Entertainer Harald Schmidt und Thomas Gottschalk.
lobpreiste Gottschalk. Für ihn steht fest: „Du bist kein Außenseiter, sondern eine Ausnahme.“ Seine Unduldsamkeit sei vielleicht mühsam für den Gesprächspartner, aber unterhaltsam für das Publikum. Und in seiner Autobiografie „Mein Leben“ habe er die deutsche Geschichte so beschrieben, „dass keine ihrer dunklen Seiten verborgen bleibt, und die junge Generation ihre Heimat trotzdem lieben kann“.
Laudator und TV-Entertainer Harald Schmidt würdigte den 90-jährigen, hielt jedoch keine Rede, sondern trug zu Ehren des Preisträgers das Gedicht "Erinnerung an die Marie A." von Bertolt Brecht vor.
Auch FAZ-Herausgeber Schirrmacher hob die Popularität Reich-Ranickis hervor. Er sei jedem Tankwart bekannt und zugleich "das Staatsoberhaupt in der literarischen Republik".
Publizist Broder wünschte sich von Reich-Ranicki in seiner Laudatio, dass sich der Kritiker auch jenseits der Literatur einmischt, wenn wie jüngst Zustände im Gaza-Streifen fälschlicherweise mit jenen im Warschauer Ghetto verglichen würden.
Vor der Übergabe der Medaille war es bei der Feier zu einem Zwischenfall gekommen. Ein Störer besetzte minutenlang das Rednerpult und wollte offensichtlich für Volksabstimmungen werben. Er gab das Pult aber schließlich freiwillig wieder frei und viele prominente Gäste aus Politik, Kultur und Unterhaltung ließ es unberührt, wie u.a. die ZDF-Moderatoren Petra Gerster, Herbert Frey,
ZDF- Programmdirektor Thomas Bellut, ZDF-Intendant Markus Schächter, Journalist und Schriftsteller Hellmuth Karasek,
Die undotierte Ehrenmedaille ersetzt in diesem Jahr den sonst stets im Juni verliehenen Ludwig-Börne-Preis. Diesen hatte der in Frankfurt lebende Reich-Ranicki bereits 1995 erhalten. Mit ihren Auszeichnungen erinnert die Börne-Stiftung an den in Frankfurt geborenen Dichter Ludwig Börne (1786-1837). Der scharfzüngige Autor gilt als Wegbereiter des politischen Feuilletons.
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