Freitag, 18.05.2012 16:50 Uhr

Die Katastrophe von Duisburg - Pressekonferenz

Verfasser: Martin Brand , 26.07.2010, 12:21 Uhr
Presse-Ressort von: Martin Brand Bericht 1049x gelesen

Auf der Spur der Schuldigen (Duisburg, 25. Juli 2010) Die Pressekonferenz zum Unglück, das 19 Tote forderte, brachte nur wenig neue Erkenntnisse. Da saßen vier Männer, die eigentlich nichts zu sagen hatten. Oder nichts sagen wollten. Und nichts sagen durften. Es war eine eine extrem emotionsbeladene Pressekonferenz im altehrwürdigen Rathaus. Völlig zurecht fragten die Journalisten sehr hart nach. Die Fragen nach der Größe des Platzes. Nach den Vorbehalten, ob das Sicherheitskonzept in Ordnung gewesen sei. Die Herren schwiegen weitgehend, zeitweise musste sogar der Pressesprecher aus der zweiten Reihe antworten. Er konnte nicht viel mehr als Stammeln.

Dramaturgie einer Pressekonferenz 11.30 Uhr: Eine halbe Stunde vor der Pressekonferenz in altehrwürdigen Duisburger Rathaus ist der Raum proppevoll. Die Polizei hat bis in den Vormittag Spuren an der Unglücksstelle gesichert. Jetzt beginnen die Schuldzuweisungen. 12 Uhr: Polizei, Veranstalter und der Oberbürgermeister der Stadt Duisburg, Adolf Sauerland, haben den Saal betreten. Die Pressekonferenz wird in wenigen Sekunden beginnen. Offenbar hat es im Rathaus eine Razzia der Polizei gegeben. Wird es eine Stellungnahme dazu geben?

11.08 Uhr Das Pressedrama beginnt Zuvor bittet ein Pressereferent den Medienvertreter um einen gesitteten Ablauf Der Oberbürgermeister ist angeschlagen - Duisbugs Oberbürgermeister Adolf Sauerland (CDU) bringt seine Erschütterung und sein Mitgefühl zum Ausdruck. "Die Zahl der Toten ist insgesamt auf 19 angestiegen und wir beklagen 340 Verletzte." "Dieses Unglück ist so entsetzlich, dass man es nicht fassen kann", sagt er weiter.

„Wir werden lückenlos aufklären“, verspricht der Duisburger Oberbürgermeister. Und betont, dass alle Genehmigungen für die Durchführung der Loveparade vorgelegen haben, erteilt von den jeweils zuständigen Stellen. „Es gibt sicherlich viele Fragen“, doch ich bitte um Verständnis, dass wir keine 24 Stunden nach dem Unglück die Aufarbeitung noch nicht abgeschlossen haben. Der CDU-Politiker ist sichtlich angeschlagen.

- Wolfgang Rabe, Leiter des Krisenstabs und Sicherheitsdezernent der Stadt Duisburg: „Der gesamte Weg ist genehmigt und abgesprochen worden. Der Festplatz war zu keinem Zeitpunkt gefüllt und die Zugangswege waren frei.“

Alle Fragen zum Zugangsweg, über die Tatsache, dass es nur einen Zugang zum Gelände gegeben hat, wollen Rabe nicht beantworten. Er verwies immer auf die laufenden Ermittlungen. Die Journalisten werden langsam sauer, der Ton wird rauer. "Das kann doch nicht sein, dass sie hier rumeiern", sagte einer. Zudem habe Rabe alle seine Unterlagen den Ermittlern zur Verfügung gestellt. Mehr wollte er nicht sagen.

Polizeipräsident Detlef von Schmeling: „Die Polizei hat sehr intensiv in dem Besucherstrom eingegriffen. Zum Zeitpunkt des Unfallgeschehens gab es noch Bewegungsmöglichkeiten auf der Rampe.“ Bewegungsmöglichkeiten? Der Polizeipräsident weist die Vorwürfe zurück, die Polizei hätte keine Hilfe gewährleistet. "Die Polizei hat ihre Rolle wahrgenommen und ihr Möglichstes getan", sagte er und verwies auf die staatsanwaltschaftlichen Ermittlungen. Die Presseleute hakten nach.

"Die Polizei hat den Zulauf zum Gelände den ganzen Tag geregelt." fügte er noch hinzu. Es habe vereinzelt Sperren gegeben, um die Zahl der Menschen im Tunnel zu regeln. Zu den Geschehnissen an der Rampe: "Ich kann nicht bestätigen, dass die Polizei das Gelände hinter der Zugangsrampe gesperrt hat." Dass es einen so großen Druck auf die Zugängen gegeben hat, dass es unweigerlich zu den Unfällen gekommen ist, bestätigte er nicht.Die Reporter bohren nach, bekommen jedoch keine konkreten Antworten.

Sicherkeitskonzept rechnete mit 500.000 Besucher - Panikforscher Michael Schreckenberg, Professor für Physik von Transport und Verkehr an der Universität Duisburg-Essen, der Planung des Festivals beteiligt war, räumte gestern Fehler ein:

„Wir haben gewarnt. Aber wir hätten vielleicht stärker warnen müssen.“ Der Wissenschaftler, der nun vielfach als „Panikforscher“ beschrieben wird, hat ein Stauprognose-Modell entwickelt und sich zuletzt mit dem Verhalten von Fußgängerströmen befasst. Er sagt: „Wir haben gewarnt, aber wir hätten vielleicht stärker warnen müssen.“ Schreckenberg verrät, dass das Sicherheitskonzept keineswegs von 1,4 Millionen Menschen ausging, sondern von maximal 500.000 - verteilt über die Stadt.

Der Tunnel, an dessen Rampe die meisten Menschen starben, habe aber nur eine Kapazität von 20.000 Menschen pro Stunde. Bis zu 250.000 Loveparade-Teilnehmer sollten durch dieses Nadelöhr auf das Gelände geschleust werden

- und wieder herunter. Er habe, sagt Schreckenberg, den Veranstaltern gesagt: „Wenn der Tunnel die Lösung ist, muss das bis ins Letzte durchgeplant werden.“ Es könne dort zu Überlappungen von anströmenden und abströmenden Menschenmassen kommen – was nach bisherigen Erkenntnissen anscheinend geschah.

„Das ist das Ende der Love Parade“. - Rainer Schaller, Organisator und Loveparade-Geschäftsführer liest seine Erklärung vor und bringt seine Erschütterung zum Ausdruck: „Das Sicherheitskonzept, das mit der Polizei und der Stadt aufgestellt wurde, hat eigentlich hier keine Bedenken ergeben.“ und führt weiter aus: „Die Loveparade war immer eine friedliche Veranstaltung und fröhliche Party.“

Dass die Veranstaltung auf dem ehemaligen Duisburger Güterbahnhof in einer Katastrophe mit Toten enden würde,

damit hätte niemand rechnen können. Die Konsequenz: „Aus Respekt gegenüber den Toten und deren Familien werden wir die Veranstaltung nicht mehr fortsetzen. Das bedeutet auch das Aus der Loveparade.“ Die Stadt Düsburg plant eine öffentliche Trauerfeier, der Termin stand bis zum Redaktionsschluss noch nicht fest. Weitere Berichte und Bericht unter: www.brand.en-a.de

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