Freitag, 18.05.2012 17:49 Uhr

Am Ball – Verändert Frauenfußball die Gesellschaft?

Verfasser: Dirk Meerkamp Berlin, 24.01.2012, 11:41 Uhr
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Berlin [ENA] Noch 1955 vom deutschen Fußballbund verboten - ein Verbot, das erst 1970 aufgehoben wurde - ist der Frauenfußball weltweit zu der am schnellsten wachsenden Sportart für Mädchen geworden. Bei den deutschen Fußballvereinen wächst die Zahl der Spielerinnen um jährlich 20 Prozent. Frauenfußball ist populär geworden. Aus der Randsportart entwickelt sich zunehmend ein Breitensport.

Campus DOKU geht der Frage nach, ob sich dadurch das Frauenbild in der Gesellschaft verändert. Erleben Frauen sich im Fußball in einer anderen Rolle als der, die ihnen traditionell zugewiesen wurde? Welchen Einfluss hat es auf die Gesellschaft, wenn ein dem Maskulinen zugewiesener Ort von Frauen erobert wird? Kathrin Lehmann, Torhüterin der schweizerischen Nationalmannschaft der Frauen, sieht den Fußball als Karrieresprungbrett, für sie persönlich und für andere Spielerinnen. Als Sportwissenschaftlerin untersucht sie die Auswirkungen des Fußballs auf junge Mädchen.

Innerhalb der Sportwissenschaft hat sich mit den „Gender Studies“ ein eigenes Forschungsfeld etabliert, das männlichen und weiblichen Rollenzuweisungen beim Sport nachgeht. So erforscht Prof. Claudia Kugelmann, Sportpädagogin an der TU München, wie Mädchen durch das Einüben „männlicher“ Verhaltensweisen beim Fußballspiel, kämpferisches Verhalten und Durchsetzungsstärke gewinnen und so bisher vernachlässigte und verborgene Potentiale entfalten können. Neue Rollenbilder Der Frauenfußball hat zwar die Gesellschaft nicht revolutioniert, aber die Selbst- und Fremdwahrnehmung von Frauen verändert.

So erkennt der der Wirtschaftswissenschaftler Prof. Markus Kurscheidt an der Uni Bayreuth einen Wandel des öffentlichen Meinungsbildes durch den Frauenfußball - sogar bei Themen wie der Frauenquote. Dieser Wandel zeigt sich besonders deutlich beim Sport selbst, in hohen Zuschauerquoten und vollen Stadien. Allerdings ist Frauenfußball in Deutschland noch weit davon entfernt, eine dem Männerfußball vergleichbare Bedeutung zu bekommen – selbst in der ersten Bundesliga spielen die Frauen ohne Bezahlung.

Doch eine Forderung wie „Frauen sollen nicht Fußball spielen“ wirkt heute ähnlich antiquiert wie „Frauen dürfen nicht Auto fahren“. Und die Fernsehbilder der spielenden und jubelnden Frauen gehen um die ganze Welt. Sie erreichen auch Länder, in denen Frauen wirklich nicht Auto fahren dürfen. Dort kann Fußball über ein neues Frauenbild sogar die Gesellschaft verändern, davon ist der Münchner Clemens Mulokozi überzeugt. Der Marathonläufer und Fußballfan hat in Zusammenarbeit mit der Sporthochschule Köln das Projekt „Jambo Bukobo“ zur Förderung von Jugendlichen in Tansania gegründet. Der Sport bietet dort Mädchen einen geschützten Raum, indem sie sich frei bewegen und Selbstbewusstsein erfahren können.

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